Alterssichtigkeit macht sich ungefähr zwischen dem 40. und 45. Lebensjahr bei jedem bemerkbar. Spätestens dann müssen auch diejenigen über eine Sehhilfe nachdenken, die bisher keine Brille oder Kontaktlinsen brauchten. Denn die Altersweitsichtigkeit ist ein natürlicher Prozess, der bereits im Jugendalter beginnt und sich nicht verhindern lässt. Genau genommen handelt es sich bei Presbyopie nicht um eine Krankheit, sondern um einen ganz normalen altersbedingten Funktionsverlust des menschlichen Auges.

Was ist Alterssichtigkeit / Altersweitsichtigkeit (Presbyopie)?

Die Alterssichtigkeit ist unter dem umgangssprachlichen Begriff Altersweitsichtigkeit geläufiger. Denn das Sehen in der Nähe fällt mit dem Alter zunehmend schwerer. In dem Punkt ähnelt sie etwas der auch als Hyperopie bezeichneten Weitsichtigkeit. Bei Weitsichtigkeit und Altersweitsichtigkeit sind die Ursachen jedoch völlig unterschiedlich. Bei der Altersweitsichtigkeit hat die Linse aufgrund von Alterungsprozessen so stark an Elastizität verloren, dass das Auge Dinge in der Nähe nicht mehr scharf stellen kann. Die sogenannte Akkommodation ist also nicht mehr möglich. Bei der Hyperopie ist hingegen meistens das Auge zu kurz. Der fachsprachliche Ausdruck für Altersweitsichtigkeit ist Presbyopie.

Wie und wann wird die Alterssichtigkeit festgestellt?

Ab dem 40. Lebensjahr kann die Alterssichtigkeit auffallen, indem zum Lesen das Buch oder das Smartphone weiter von den Augen entfernt gehalten werden muss. Irgendwann funktioniert das aber auch nicht mehr. Wann der Zeitpunkt genau eintrifft, an dem eine Brille oder Kontaktlinsen für die Alterssichtigkeit notwendig werden, ist individuell unterschiedlich. Besonders früh bemerken es Weitsichtige, die bislang keine oder eine zu schwache Sehhilfe getragen haben. Ein Augenarzt oder Optiker kann dann bei einer vermuteten Altersweitsichtigkeit die Diagnose stellen und die Möglichkeiten zur Korrektur mit der betroffenen Person besprechen.

Kontaktlinsen bei altersbedingter Weitsichtigkeit | Bild: Edward Cisneros / unsplash.com

Ursachen für Alterssichtigkeit (Presbyopie)

Der Wassergehalt der Linse nimmt kontinuierlich ab, wodurch sie weniger elastisch wird. Beim Sehen in der Nähe muss das Auge die Brechkraft der Linse erhöhen, indem die Linse sich stärker wölbt. Durch die verringerte Elastizität mit zunehmendem Alter kann sich die Linse jedoch nicht mehr so stark wölben, was bei der Presbyopie die Ursache darstellt. Der Prozess beginnt bereits ab der Geburt. Aber die verminderte Anpassungsfähigkeit der Linse fällt erst dann als Sehschwäche auf, wenn der Prozess weiter fortgeschritten ist.

Symptome der Alterssichtigkeit (Presbyopie)

Neben dem unscharfen Sehen in der Nähe können bei der Altersweitsichtigkeit Symptome wie Kopfschmerzen sowie schnell ermüdete und brennende Augen auftreten. Das liegt daran, dass bei der Presbyopie das Auge schnell überanstrengt ist. Denn zur Nahsicht spannen sich die Ziliarmuskeln der Augen an, um die Brechkraft der Linse zu erhöhen. Da die Linse aber nicht mehr so elastisch ist, strengen sich die Muskeln maximal an, um das Ziel dennoch möglichst zu erreichen.

Wie stark kann eine Alterssichtigkeit werden?

Die Alterssichtigkeit nimmt bis zum Alter von etwa 65 Jahren stetig zu. Wenn sonst keine weitere Fehlsichtigkeit vorliegt, beträgt die Stärke der Presbyopie dann ungefähr 3 Dioptrien. Danach bleibt der Wert konstant, weil ohnehin keine Anpassungsfähigkeit der Linse mehr besteht. Beim Weitsichtigen kann die Korrektur zur Nahsicht stärker ausfallen, da sich die 3 Dioptrien zum Dioptrienwert der bestehenden Weitsichtigkeit (Hyperopie) aufsummieren.

Gleicht Alterssichtigkeit eine Kurzsichtigkeit aus?

Die Alterssichtigkeit beeinflusst eine gleichzeitig vorliegende Kurzsichtigkeit nicht. Denn die fehlende Anpassungsfähigkeit der Linse ändert nichts daran, dass das kurzsichtige Auge zu lang ist. Nur bei einer leichten Kurzsichtigkeit von etwa 2,5 bis 3 Dioptrien besteht die Möglichkeit, dass der Alterssichtige auf eine Lesebrille verzichten kann. Auf die Sehhilfe zur Fernsicht ist er jedoch weiterhin in gleichem Maße angewiesen.

Was tun bei Alterssichtigkeit?

Sobald erste Anzeichen der Alterssichtigkeit zu erkennen sind, steht der Besuch beim Augenarzt oder Augenoptiker an. Dieser stellt die Stärke der Presbyopie fest und bespricht die Möglichkeiten einer Korrektur. Da sich die Behandlung der Altersweitsichtigkeit nach den individuellen Bedürfnisse und Voraussetzungen richtet, sollte die betroffene Person ihre Sehprobleme und Gewohnheiten möglichst genau und treffend schildern.

Alterssichtigkeit was tun?
Alterssichtigkeit (Presbyopie) was tun? | Bild: Nathan Cowley / pexels.com

Alterssichtigkeit behandeln

In der Regel erfolgt bei der Altersweitsichtigkeit eine Behandlung durch Brille oder Kontaktlinsen. Wenn zusätzlich eine Weitsichtigkeit oder Kurzsichtigkeit vorliegt, bieten sich eine Mehrstärkenbrille oder multifokale Kontaktlinsen an. Denn diese ermöglichen ein scharfes Sehen in der Nähe und in der Ferne, ohne zu einer zusätzlichen Lesebrille greifen zu müssen.

Kann man Alterssichtigkeit lasern lassen?

Es ist auch möglich, sich die Augen bei einer Altersweitsichtigkeit lasern zu lassen. Allerdings verschlechtert sich die Sehkraft nach Beginn der Presbyopie noch jahrelang, sodass dann erneut eine Korrektur nötig wird. Außerdem muss der individuelle Nutzen die Risiken einer Laser-Behandlung deutlich überwiegen.

Alterssichtigkeit verbessern

Anstatt bei einer Altersweitsichtigkeit auf ein Augentraining zu setzen, ist es sinnvoller, auf einen gesunden Lebensstil zu achten. Dazu gehört neben einer ausgewogenen Ernährung viel Bewegung und der Verzicht auf schädigende Faktoren wie das Rauchen. Das kann einen positiven Einfluss auf Alterungsprozesse im Allgemeinen und somit auch auf das Altern der Linse haben. Die gesunde Lebensweise sollte idealerweise nicht erst bei den ersten Symptomen der Alterssichtigkeit beginnen. Verhindern lässt sich die Alterssichtigkeit allerdings in keinem Fall, sie schreitet dadurch höchstens verlangsamt fort. Folglich ist bei einer Presbyopie eine Behandlung mit Sehhilfe oder Operation immer unerlässlich.

Alterssichtigkeit vorbeugen mit Augentraining?

Einige behaupten, dass ein spezielles Augentraining eine Altersweitsichtigkeit verhindern oder zumindest verlangsamen kann. Die Übungen zielen darauf ab, die Augenmuskeln zu stärken. Allerdings ist nicht die Augenmuskulatur, sondern die verminderte Elastizität der Linse das Problem. Auf die Elastizität der Linse haben derartige Übungen keinen Einfluss und somit lässt sich eine Altersweitsichtigkeit nicht vorbeugen. Bei jeder neuen Fokussierung der Augen, arbeiten die Augenmuskeln ohnehin ganz selbstständig. Um nicht nur bei einer Altersweitsichtigkeit mit einem Training den Augen etwas Gutes zu tun, reicht es aus, den Blick immer mal wieder in die Ferne schweifen zu lassen und nicht zu lange auf einen nahe gelegenen Punkt zu starren. Das hält die Alterssichtigkeit zwar nicht auf, entspannt aber die Augen auch unabhängig von irgendeiner Sehschwäche.

Richtige Kontaktlinsen bei Alterssichtigkeit

Bei einer Altersweitsichtigkeit können Kontaktlinsen hilfreich sein, wenn die betroffene Person keine Brille tragen möchte. Mit sogenannten multifokalen Kontaktlinsen ist es auch möglich, gleichzeitig eine Kurzsichtigkeit oder Weitsichtigkeit und eine Presbyopie auszugleichen. Es sind sogar spezielle multifokale torische Kontaktlinsen erhältlich, die zusätzlich noch eine Hornhautverkrümmung korrigieren können.

Kontaktlinsen gegen Alterssichtigkeit (Presbyopie)
Kontaktlinsen gegen Alterssichtigkeit (Presbyopie) | Bild: mediaphotos / istockphotos.com

In jedem Fall ist aber eine individuelle Anpassung durch einen Kontaktlinsenspezialisten notwendig. Denn dieser muss die Augen exakt vermessen und die zu den persönlichen Bedürfnissen passenden Kontaktlinsen auswählen. Diese Beratungsqualität kann ein Online-Shop nur über Umwege ersetzen.

Risiken der Altersweitsichtigkeit

Wer nicht gut sieht und den Sehfehler nicht entsprechend korrigiert, hat ein erhöhtes Risiko für Unfälle. Da bildet die Alterssichtigkeit keine Ausnahme. Außerdem entlastet eine passende Sehhilfe die alterssichtigen Augen. Wird bei der Altersweitsichtigkeit die Korrektur zu lange hinausgezögert, können Ermüdungserscheinungen wie Kopfschmerzen zunehmen. Möglicherweise steckt auch eine Erkrankung hinter den Schwierigkeiten beim Nahsehen, weshalb ein Augenarzt dies zeitnah überprüfen sollte. Zudem lohnt sich der frühzeitige Gang zum Optiker oder Augenarzt vor allem für Alterssichtige mit einer weiteren Sehschwäche. Denn die Eingewöhnung von Gleitsichtbrille oder entsprechenden Kontaktlinsen fällt in der Regel leichter, wenn die Alterssichtigkeit noch nicht so weit fortgeschritten ist.

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