Die Rot-Grün-Sehschwäche erschwert Betroffenen, zwischen den Farben Rot und Grün zu unterscheiden. Sie kann unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Während manche sie kaum bemerken, ist für andere die Welt dadurch deutlich weniger farbenreich. Das kann dann in einigen alltäglichen Situationen zu Problemen führen.

Was ist eine Rot-Grün Sehschwäche / Rot-Grün-Blindheit?

Die Rot-Grün-Sehschwäche umfasst eigentlich zwei Farbfehlsichtigkeiten: die Rot-Sehschwäche und die Grün-Sehschwäche. Dabei sind die Fotorezeptoren der Netzhaut beeinträchtigt, die normalerweise auf rotes oder grünes Licht besonders sensibel reagieren. Diese Fotorezeptoren heißen entsprechend Rot-Zapfen oder Grün-Zapfen. Bei der Rot-Sehschwäche reagieren Rot-Zapfen stärker auf grünes Licht anstatt wie bei Normalsichtigen auf rotes Licht. Sie funktionieren also fast so wie die Grün-Zapfen, sodass Betroffene Rot und Grün nicht gut unterscheiden können. Je stärker die Rot-Zapfen auf grünes Licht und je weniger sie auf rotes Licht anspringen, desto schwächer sehen sie Rot und desto schwieriger fällt den Betroffenen die Unterscheidung. Bei der Grün-Sehschwäche ist es genau umgekehrt.

Ist Rot-Grün-Blindheit das Gleiche wie Rot-Grün-Schwäche?

Eine Rot-Grün-Blindheit ist nicht das Gleiche wie eine Rot-Grün-Schwäche. Bei der Rot-Grün-Blindheit fehlen die Rot-Zapfen oder die Grün-Zapfen vollständig. Dann kann der Betroffene die Farbe gar nicht mehr wahrnehmen. Er ist blind für Rot oder für Grün. Manchmal fehlen auch beide Zapfentypen und folglich sind die Betroffenen blind für Rot und Grün.

Unterschied zwischen Farbenblindheit und Rot-Grün-Sehschwäche

Die Rot-Grün-Sehschwäche ist keine Farbenblindheit. Eine Farbenblindheit liegt dann vor, wenn die betroffene Person keinerlei Farben sehen kann, sondern die Welt nur als Kontraste in hell und dunkel wahrnimmt. Eine Farbenblindheit kommt viel seltener vor als eine Rot-Grün-Sehschwäche und betrifft Männer und Frauen gleichermaßen. Bei der Farbenblindheit treten zudem oft weitere Symptome wie eine verminderte Sehschärfe und eine erhöhte Lichtempfindlichkeit auf.

Unterschied Farbenblindheit und Rot-Grün-Sehschwäche
Was ist der Unterschied zwischen Farbenblindheit und einer Rot-Grün-Sehschwäche? | Bild: Renato Abati / pexels.com

Wie stellt man eine Rot-Grün-Schwäche fest?

Beim Verdacht einer Rot-Grün-Schwäche kann ein Test Aufschluss geben. Auf sogenannten Ishihara-Tafeln sind Zahlen oder Ähnliches mit Kreisen dargestellt, die sich in einem Hintergrund ebenfalls aus Kreisen verstecken. Die Farben der Kreise von Zahl und Hintergrund unterscheiden sich im Farbton, nicht aber in Helligkeit und Sättigung. Die Rot- und Grüntöne der Kreise sind so gewählt, dass jemand mit einer Rot-Grün-Schwäche die Zahl nicht erkennen kann. Ein Normalsichtiger hingegen schon.

Noch genauer ist der Farnsworth-Test. Dabei soll die betroffene Person Farbplättchen nach dem Farbton sortieren. Anhand der Sortierung lässt sich ableiten, von welchem Typ einer Farbfehlsichtigkeit diejenige Person betroffen ist.

Darüber hinaus gibt es noch weitere Tests, die ähnlich funktionieren. Ebenso lässt sich eine Rot-Grün-Blindheit mit einem Test feststellen.

Weiterführende Informationen: Rot-Grün-Sehschwäche online testen

Ursachen einer Rot-Grün-Sehschwäche

Bei der Rot-Grün-Schwäche oder Rot-Grün-Blindheit ist die Ursache in den Genen zu finden. Die Gene für die Sehpigmente der Rot- und Grün-Zapfen befinden sich auf dem X-Chromosom. Ist eines dieser Gene fehlerhaft, besitzen Frauen mit den Genen ihres zweiten X-Chromosoms einen Ersatz für das fehlerhafte Gen. Da Männer nur ein X-Chromosom haben, steht Ihnen kein Ersatz zur Verfügung. Denn auf dem Y-Chromosom der Männer fehlen diese Gene. Erst wenn auch das Ersatzgen des zweiten X-Chromosoms defekt ist, entsteht eine Rot-Grün-Schwäche bei der Frau. Bei der Rot-Grün-Schwäche und der Rot-Grün-Blindheit ist der Erbgang also dafür verantwortlich, dass deutlich mehr Männer als Frauen betroffen sind.

Symptome einer Rot-Grün-Schwäche

Von der Rot-Grün-Sehschwäche betroffene Menschen nehmen weniger Farbtöne wahr als Normalsichtige. Je nachdem, ob eine Rot-Schwäche oder eine Grün-Schwäche vorliegt, sehen die Betroffenen Rot oder Grün schwächer. Dadurch können sie die beiden Farben schlechter voneinander unterscheiden. Blautöne und Gelbtöne könne sie ohne Probleme sehen, wenn kein Rot oder Grün untergemischt ist. Die Rot-Grün-Sehschwäche kann allerdings unterschiedlich stark sein. Während manchen die Welt fast so farbig erscheint wie Normalsichtigen, haben andere weitaus größere Schwierigkeiten. Bei einer Rot-Grün-Blindheit sind die Symptome so weit ausgeprägt, dass die betroffene Person Rot oder Grün gar nicht sehen kann.

Wie sieht man mit einer Rot-Grün-Schwäche

Abhängig vom Typ und Stärke der Farbfehlsichtigkeit sehen die Betroffenen manche rote Dinge eher grün oder umgekehrt. Bei stärkerer Ausprägung oder einer echten Rot-Grün-Blindheit erscheinen rote oder grüne Dinge stattdessen bräunlich oder grau.

Rot-Grün-Schwäche Bilder Papagei
Vergleich normalsichtig (links) und mit Rot-Grün-Schwäche (rechts) | Bild: Christopher Alvarenga / unsplash.com

Wie stark kann eine Rot-Grün-Blindheit sein?

Eine Rot-Grün-Blindheit ist so stark ausgeprägt, dass die betroffene Person entweder für Rot oder für Grün tatsächlich blind ist. In seltenen Fällen können Betroffene sogar weder Grün noch Rot sehen, wenn beide Zapfentypen fehlen. Eine Rot-Grün-Schwäche kann hingegen unterschiedlich stark ausfallen. Einige bemerken sie kaum, bei anderen ist sie fast so stark wie eine Rot-Grün-Blindheit.

Was tun bei einer Rot-Grün-Blindheit?

Beim Verdacht einer Rot-Grün-Schwäche ist es sinnvoll, den Stärkegrad einmal von einem Augenarzt bestimmen zu lassen. Schließlich ist es nur bedingt möglich, das ganze Ausmaß selbst abzuschätzen. Oftmals tauchen lediglich wenige Einschränkungen im Alltag auf, die die Betroffenen ohnehin schon ihr Leben lang meistern. Bei einer stärkeren Ausprägung oder einer Rot-Grün-Blindheit kann es jedoch im Straßenverkehr zu erheblicheren Problemen kommen. Denn ein Mensch mit einer Rot-Blindheit erkennt beispielsweise bei Nebel die Rückleuchte des vorausfahrenden Autos kaum oder gar nicht. Ebenso kann er eine rote Ampel vor allem nachts schwerer und später wahrnehmen als ein Normalsichtiger. Darüber müssen sich die Betroffenen im Klaren sein und gegebenenfalls das Autofahren bei schlechten Sichtverhältnissen jemand anderem überlassen.

Kann eine Rot-Grün-Blindheit behandelt werden?

Eine Rot-Grün-Blindheit ist angeboren. Sie verändert sich im Laufe des Lebens nicht. Daher ist bei einer Rot-Grün-Blindheit eine Behandlung nicht möglich.

Nur bei einer Rot-Grün-Sehschwäche kann möglicherweise eine spezielle Brille für ein etwas besseres Farbensehen sorgen. Beispielsweise hat die Firma EnChroma eine Brille entwickelt, die bestimmte Wellenlängen des Lichts herausfiltert. Dadurch sollen die Signale der unterschiedlichen Farben klarer voneinander getrennt werden, sodass es dem Gehirn leichter fallen soll, zwischen Rot und Grün zu unterscheiden. Manche empfinden einen verbesserten Farbeindruck mit der EnChroma-Brille. Es entspricht aber nicht dem Farbensehen eines Normalsichtigen. Wie gut die Brille funktioniert, hängt auch von den Lichtverhältnissen und der Stärke der Farbsehschwäche ab.

Richtige Kontaktlinsen bei einer Rot-Grün-Schwäche

Es gibt ChromaGen Kontaktlinsen, die ähnlich wie die EnChroma-Brille einen Farbfilter enthalten. Diese können das Farbensehen von einigen Betroffenen subjektiv verbessern und den Alltag möglicherweise etwas erleichtern. Ein darauf spezialisierter Kontaktlinsenexperte passt die Kontaktlinsen an die jeweilige Sehschwäche an. Die Kontaktlinsen sind zudem mit unterschiedlichen Dioptrienwerten erhältlich.

Allerdings ist eine vollständige Korrektur einer Rot-Grün-Schwäche mit diesen Linsen ebenso wenig möglich wie mit einer Brille. Ob und wie gut die Linsen funktionieren, ist individuell unterschiedlich. Bei einer vollständigen Rot-Grün-Blindheit können diese Kontaktlinsen jedenfalls nicht helfen.

Kontaktlinsenspezialist finden

Rot-Grün-Sehschwäche bei Kindern

Eine Rot-Grün-Sehschwäche ist angeboren und daher auch als Kind schon vorhanden. Spätestens ab dem Schulalter ist es sinnvoll, darüber Bescheid zu wissen. Für Kinder gibt es einfachere Farbsehtests, die anstelle von Zahlen oder Buchstaben Symbole oder Figuren darstellen. Sie eigenen sich für Kinder ab drei Jahren. Im Gegensatz zu Fehlsichtigkeiten hat eine unentdeckte Rot-Grün-Schwäche allerdings keine schwerwiegenden Folgen, die zu einem dauerhaften Sehfehler führen.

Weiterführende Informationen: Online-Sehtest für Kinder (inkl. Farbsehtest)